Herr Leermann
Herr Leermann wollte schnell reich werden. Also rief er alle seine Berater zusammen und fragte sie: Wie können wir schnell reich werden?
Der erste Berater antwortete ihm, wir können etwas Neues erfinden, was alle Menschen brauchen, es herstellen und dadurch viel Geld verdienen. Diese Idee gefiel Herrn Leermann, doch als sie versuchten, etwas Neues zu erfinden, stellten sie fest, dass ihnen nichts Neues mehr einfiel, und so verwarfen sie diesen Vorschlag.
Der zweite Berater schlug vor:"Wir können eine virtuelle Welt erfinden, in der alle Menschen große Abenteuer erleben und glücklich werden. Die Menschen in dieser Welt müssen intelligenter, stärker und schöner als die Menschen im wirklichen Leben sein, dann kommen alle in unsere schöne, neue Welt, und wir können Geld verlangen, wenn sie hereinkommen. Diese Idee gefiel Herrn Leermann. Und so schufen sie neue Welten, und die Leute kamen, setzten sich vor die virtuellen Welten, genossen neunzig Minuten den schönen Schein und gingen wieder hinaus, wo die Wirklichkeit sie erwartete und sie kamen immer seltener wieder. Außerdem machte es viel Mühe, immer wieder neue Scheinwelten zu erschaffen. Also rief Herr Leermann wieder seine Berater zu sich und sie suchten neue Ideen.
Lasst uns Waffen bauen, stärker und besser, als alle anderen sie haben. Dann können wir uns alles von den andern holen, und wir können ihnen auch noch die Waffen verkaufen, damit sie sich stärker fühlen. Auch diese Idee gefiel Herrn Leermann und er ließ neue Waffen bauen, wie sie die Welt bis dahin nicht gesehen hatte. So groß und so stark, dass man dreimal die ganze Welt damit ins Weltall hätte sprengen können. Aber die Menschen verloren die Angst vor dem Tod, und sie leisteten heimlich Widerstand und widersetzten sich immer mehr. Und sie wollten nicht immer mehr Geld für neue Waffen ausgeben. So rief Herr Leermann wieder seine Berater zusammen und fragte sie noch einmal, wie er schnell reich werden könnte.
Der vierte Berater schlug vor, es mit ehrlicher Arbeit zu versuchen, aber dieser Vorschlag wurde bald verworfen, als man merkte, dass man von der Arbeit sehr schnell müde wurde.
Da riet ihm der fünfte Berater, man könnte doch das Land, das bis dahin allen gehört hatte, in kleine Stücke aufteilen, und diese Stücke verkaufen. So bekäme man sehr schnell sehr viel Geld. Dieser Vorschlag gefiel Herrn Leermann und so teilte man das Land auf und verkaufte es in kleinen Stücken weiter. Als man diese Geschäfte gemacht hatte und schon sehr reich war, wollte Herr Leermann noch reicher werden und er fragte seinen fünften Berater, was er jetzt vorschlage. Und der hatte eine neue Idee. Jetzt bedrucken wir Papier und geben es den Menschen und wir sagen Ihnen, dass sie dieses Papier gegen Land eintauschen können. Und wenn Sie dieses Papier brauchen, dann lassen wir uns von ihnen geben, was sie haben und was einen Wert besitzt. So bekommen wir schöne Autos und Holz für unsere Öfen und Korn für unser Brot. Und wir geben ihnen bedrucktes Papier und versprechen ihnen, dass wir ihnen später schöne Autos und Holz für ihre Öfen und Korn für ihr Brot geben werden. "Werden die Leute unser bedrucktes Papier nehmen und uns dafür ihre Autos geben?" fragte Herr Leermann. "Natürlich, wir sagen ihnen, dass sie für dieses Papier ein Stück Land an den schönsten Orten bei uns bekommen. Und wir suchen uns jemanden, dem die Leute glauben und vertrauen. Dem werden die Leute das bedruckte Papier abkaufen und der bekommt viel Geld von uns, wenn er das Papier gut verkaufen kann. Und wenn die Leute merken, dass es nur bedrucktes Papier ist, dann machen wir unser Geschäft zu und ziehen irgendwohin, wo uns keiner kennt, und dort fahren wir mit den Autos, heizen mit dem Holz und essen das Korn, das wir erhalten haben." Und so machten es Herr Leermann und seine Freunde. Und sie riefen ihren Freund Rackermann an und fragten ihn, ob er weit weg von ihnen das bedruckte Papier verkaufen wollte. Herr Rackermann gefiel die Idee, dass er ein Viertel von dem Holz und dem Korn bekommen würde und dass er selbst jedes vierte Auto behalten durfte, das er gegen das bedruckte Papier tauschen konnte. Und so verkaufte er das Papier und weil die Leute Herrn Rackermann vertrauten, kauften sie ihm das Papier ab, bis jemand merkte, dass er mit dem Papier keinen Platz an den schönsten Orten bekam, sondern Plätze, wo es keine Arbeit und kein Korn gab, und niemand wollte mehr das Papier haben. Aber da hatte Herr Rackermann schon die meisten bedruckten Papiere verkauft und hatte schon sein Korn, sein Holz und seine Autos bekommen.
Und als die Leute von Herrn Leermann Korn für ihr Korn, Holz für ihr Holz und Autos für ihre Autos haben wollten, da sagte ihnen Herr Leermann, dass seine Hände leer seien und er ihnen nichts mehr geben könne. Und tadelte sie: "Warum seid ihr auch so gierig, und wollt so viel bedrucktes Papier? Ihr habt doch gewusst, dass sich bedrucktes Papier nicht von selbst vermehrt." Und er verwies sie an Onkel Georg und Tante Angelina, die hätten noch eine Druckmaschine, mit der man genau so schönes bedrucktes Papier machen könne. Und so begannen Tante Angelina und Onkel Georg mit der Herstellung von bedrucktem Papier. Alle freuten sich und lobten Onkel Georg und Tante Angelina, dass sie jetzt endlich wieder genug bedrucktes Papier bekommen konnten und nahmen es ihnen dankbar ab.. Nach einem Jahr aber, als sie ihr bedrucktes Papier in Korn, Holz und Autos tauschen wollten, da wunderten sie sich, weil jeder plötzlich nur nach halb so viel Korn und Holz gegen ein bedrucktes Papier tauschen wollte und die Autobauer wollten jetzt doppelt so viele Papiere für ein Auto wie noch ein Jahr zuvor. Am traurigsten aber waren die alten Leute, die in ihrer Jugend bedrucktes Papier gegen ihre Arbeit getauscht hatten und gehofft hatten, dass sie im Alter wieder Papier gegen Arbeit tauschen könnten. Die bekamen jetzt für einen Tag Arbeit, die sie früher geleistet hatten nur noch eine Stunde Arbeit zurück. Glücklich waren aber Herr Leermann und Herr Rackermann auch nicht, weil niemand sie mehr einlud, außer ihren Freunden, die auch mit bedrucktem Papier gehandelt hatten.